20.10.2019 13:56 Uhr
KRASSER AUSSENSEITER ALS KLARES SCHLUSSLICHt

Habenhausen sammelt (fast) nur Sympathiepunkte

von Niklas Aßfalg

Pro Club Premiership FIFA 19
Der Habenhauser FV konnte in der NGL Pro Club Premiership sportlich nicht mithalten, überzeugte aber durch Nehmerqualitäten.

Zum Wohlgefallen der Zuschauer war in der abgelaufenen Saison der NGL Pro Club Premiership zu beobachten, dass die Liga über ein recht homogenes Leistungsvermögen verfügt. Gemäß der bewährten Phrase "An einem guten Tag können wir jeden schlagen" hielt die Spielzeit eine Menge Spannung parat, Überraschungen und Ergebnisse wider Erwarten durchzogen die Spieltage. Präzise Prognosen waren nur schwer abzugeben – zumindest zwischen den Plätzen eins und zwölf. Zwei Mannschaften entzogen sich weitestgehend der Unberechenbarkeit: Meister FK Austria Wien gewann 20 der 22 Partien und lieferte ein Beispiel an positiver Kontinuität. Der Habenhauser FV stellte den Gegenpol zu den Österreichern dar. 

Das Team aus dem südlichen Ortsteil Bremens ging die Herausforderung Premiership als krasser Außenseiter an und wurde den Erwartungen absolut gerecht. In 20 der 22 Spielen verließen die Norddeutschen als Verlierer den Rasen, nur 13 erzielten Treffern stehen satte 96 Gegentore gegenüber. Schon der Auftakt gab die Richtung vor: Die Habenhauser unterlagen dem SV Babelsberg 03 mit 0:5, angesichts der hohen Qualität des Gegners allerdings verschmerzbar – auch andere Vereine gerieten in der Filmstadt unter die Räder. Was der HFV allerdings exklusiv durchleben musste, war die folgende, beispiellose Niederlagenserie. Schnell wurde klar, dass Habenhausen tabellarisch zum Rest der Liga nicht in Konkurrenz treten würde.

Moral führt zu Erfolgserlebnissen

Gegen offensivstarke Mannschaften war die Abwehr der Norddeutschen regelmäßig heillos überfordert. 0:7 gegen den FSV Union Fürstenwalde, 3:8 gegen den SV Stuttgarter Kickers, 0:6 gegen den FK Austria Wien – die Hinrunde beinhaltete eine Reihe hoher Pleiten. Was ihnen in der ersten Saisonhälfte dagegen verwehrt blieb, war ein Punktgewinn. Denn auch gegen vermeintlich schwächere Gegner konnten sich die Bremer nicht behaupten. Am dritten Spieltag verloren sie gegen den FC Galaxy Steinfurt (2:4), am siebten Spieltag unterlagen sie dem Berliner AK 07 (1:3) und zum Ende der Hinserie setzte es ein 0:2 gegen Edermünde. Allmählich musste sich der HFV mit der Aussicht anfreunden, punktlos durch die Saison zu stolpern.

Während es an der nötigen Klasse, um den Kontrahenten regelmäßig Paroli zu bieten, mangelte, punkteten die Habenhauser durch Moral – sowohl im übertragenen Sinne als auch wortwörtlich. Denn obgleich das bereits zum Rückrundenstart abgeschlagene Schlusslicht auch das zweite Duell mit den Babelsbergern klar abschenken musste (0:4), erfolgte im Anschluss der einzige Höhenflug der Saison. Die Norddeutschen besiegten Steinfurt mit 2:0 und feierten nicht nur den ersten Punktgewinn, sondern auch direkt den ersten Sieg. Wer nun vermutet hatte, dass die Realität die Norddeutschen sofort wieder einholen würde, lag falsch: Der HFV konnte nachlegen und dem Dreier ein respektables 0:0 gegen Fürstenwalde folgen lassen.

HFV als Meistermacher gegen Austria

Wer nun wiederum vorhergesagt hatte, dass an dieses Zwischenhoch ein sagenhafter Endspurt und die spektakulärste Aufholjagd in der Geschichte anknüpfen würde – der lag erneut falsch. In Habenhausen kehrte Alltag ein: 0:6 gegen den SV Meppen, 0:4 gegen Rot-Weiss Essen, 0:5 gegen die Kickers – die Ausbeute der Norddeutschen normalisierte sich. Am 19. Spieltag avancierten die Bremer zum Meistermacher, beim 0:9 gegen Wien krönte sich der Gegner zum Titelträger. Der HFV hingegen kassierte die höchste Saisonpleite und konnte sich glücklich schätzen, nicht noch zweistellig verloren zu haben. Auch in den letzten drei Partien war für den Dauerinhaber der roten Laterne nichts Zählbares mehr einzufahren.

Es erklärt sich wohl von selbst, dass die Habenhauser die Spielzeit als abgeschlagener Letzter abschlossen, 16 Punkte betrug der Rückstand zu Rang elf. Es ist der bei weitem größte Abstand zwischen zwei Platzierungen. Kein HFV-Akteur konnte mehr als drei Treffer erzielen, Angreifer Philipp 'SVB_Henry9' Kraft (drei Tore) und Mittelfeldspieler 'LilUsher' (zwei Tore) waren die Einzigen, die sich überhaupt mehrfach in die Torschützenliste eintrugen. Sportlich herrschte über weite Strecken der Saison ein klarer Klassenunterschied zwischen Habenhausen und dem Rest der Liga. In Sachen Einsatz mussten sich die Norddeutschen jedoch nie etwas vorwerfen lassen, keine noch so deutliche Klatsche entmutigte die Stehaufmännchen der Premiership. 

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