ESPORTNEWS

11.08.21, 17:22
Wie viel Comeback-Potenzial ist zu viel?

Pokémon UNITE: Zapdos und das Late Game-Dilemma

von Marco Wutz
Foto: Foto: OLM / The Pokémon Company

Pokémon UNITE hat gerade im Late Game einige Eigenheiten, die Spieler frustrieren – Zapdos und die Score-Verdopplung werden kontrovers diskutiert.

In Pokémon UNITE ist es dank einiger Mechaniken sehr einfach, aus einer schwachen Position heraus ein Comeback hinzulegen und die Partie in letzter Minute zu drehen. In den letzten beiden Minuten eines Spiels werden sämtliche erzielten Punkte verdoppelt, zudem erscheint das legendäre Monster Zapdos im Zentrum der Karte. Das Team, das die Legende erlegt, setzt für 30 Sekunden die Verteidigung der Gegner außer Kraft und kann ohne Verzögerung in die Tore einlochen.

Zusätzlich gibt der Sieg über Zapdos jedem Mitglied des Teams in Punkte verwandelbare Energie und fügt allen Gegnern nicht nur Schaden zu, sondern betäubt sie für einen Moment – kurzum, wer den entscheidenden Treffer auf den Donnervogel landet, hat gute Karten für den Gesamtsieg. Während die Existenzberechtigung einer  Mechanik für Comebacks nicht bestritten wird, ist Zapdos in Verbindung mit der Punkteverdoppelung in der Endphase ein heißes Diskussionsthema.

Gute Verteidigung als Strafe

Einem Team, das einen schlechten Start erwischt hat, einen Weg zurück ins Spiel zu gewähren, falls es diesen richtig zu nutzen weiß, ist eine gute Sache. Wird bis zuletzt um den Sieg gekämpft, bleibt weniger Raum für zu frühe Aufgaben oder Spieler, die AFK gehen. Aktuell erscheint es jedoch oft so, als ob das dominierende Team durch das Late Game bestraft wird. So ist es beispielsweise ein sehr großer Nachteil, wenn die vorderen Tore beim Beginn der finalen Phase noch stehen.

Ein Team auf der Siegesstraße steht beim Anbruch der Endphase vor einem Dilemma: Zapdos anzugreifen und dabei das Risiko einzugehen, dass der Gegner sich den letzten Treffer erschleicht, ist wenig clever. Folglich wollen viele Teams die Legende verteidigen, sodass sie bis zum Ende überlebt und die Gegner kein Comeback hinlegen können. Stehen allerdings die vorderen Tore noch, so stellen diese ein attraktives Ziel für Scoring dar, denn auch sie vergeben die doppelte Punktzahl.

Die Tore zu halten und währenddessen Zapdos zu verteidigen ist kaum machbar – der Gegner wird dann irgendwo den numerischen Vorteil haben und das Spiel drehen können. Im Gegensatz dazu kann das vermeintlich siegreiche Team keine Positionsspielchen mehr treiben, da die Gegner nur noch ein einziges Tor in ihrer Basis haben. Im Spiel seine vorderen Tore zu verlieren ist folglich ein Vorteil im Late Game – eine paradoxe Gegebenheit, die in der Community nicht gut ankommt.

Lösung über die Multiplikatoren

Wie könnte eine Lösung aussehen, die das dominante Team nicht für gute Leistungen bestraft, aber dennoch Comebacks erlaubt? Das Problem liegt wohl weniger bei Zapdos – die Legende ist ein sehr interessanter Scheitelpunkt für Kämpfe im Late Game und könnte zwar hinsichtlich ihres Einflusses etwas geschwächt werden, ist im Prinzip jedoch nicht fehl am Platz. Stattdessen sollte über den Score-Multiplier in der Endphase nachgedacht werden. Es wäre denkbar, dass in den vorderen Toren der Multiplikator komplett wegfällt, während dieser bei den mittleren Toren auf 1,5 oder eine ähnliche Zahl gesenkt wird. Im Tor der Basis könnte die Verdopplung bleiben.

Eine gute Verteidigung der vorderen Tore wäre somit keine Strafe mehr, sondern zurecht ein Vorteil, zudem würden die Tore als Ziele eine besser definierte Identität erhalten. Comebacks wären besonders mit Zapdos immer noch möglich, würden jedoch etwas mehr Risikobereitschaft und Entscheidungsfähigkeit beim unterlegenen Team erfordern, das eventuell alles auf einen Sturm auf das Haupttor setzen muss, falls es den Rückstand als so groß einschätzt. Alles in allem müssen die Entwickler hier an einer Stelle schrauben, um den Frust bei der Community nicht zu groß werden zu lassen. Ihr Grundkonzept stellt ein solides Fundament dar.

Weitere News