07.11.2019 15:51 Uhr
#FreeKurt ist Dauerthema in der Community

Wer ist 'Kurt0411' und warum reden alle über ihn?

von NGL-Redaktion

Specials FIFA 20
Foto: EA SPORTS
Foto: EA SPORTS
EA SPORTS hat Kurt Fenech auf unbestimmte Zeit von allen offiziellen Wettbewerben ausgeschlossen. Wir erklären euch, was vorgefallen ist und wer 'Kurt0411' eigentlich ist.

Fenech ist einer der wenigen Spieler, die es geschafft haben, von EA einen permanenten Ban für alle hauseigenen Wettbewerbe zu erhalten. Der 24-Jährige weist eine lange Historie aus Beleidigungen, Obszönitäten und Selbstüberschätzung auf, der der Spieleentwickler nun ein Ende setzte.

Wer ist eigentlich 'Kurt0411'?

Fenech ist ein maltesischer FIFA-Profi und schon lange in der Szene aktiv. Der Heißsporn spielt für keinen Verein und keine Organisation, sondern tritt nur für sich selbst an – und das durchaus erfolgreich: 'Kurt0411' war in der Vergangenheit regelmäßig auf wichtigen Events anzutreffen. Zum ganz großen Wurf reichte es allerdings noch nicht, Fenech fiel stattdessen vorwiegend mit anmaßenden Aussagen auf: Er sei der beste Spieler der Welt, gab er immer wieder zu Protokoll. Die Selbstüberschätzung kannte keine Grenzen: Verlor er eine Partie, war das schlecht programmierte FIFA-Spiel Schuld. In einem fairen Game könne er hingegen jeden schlagen, behauptete der Malteser.

'Kurt0411' feilte immer weiter an dieser Persönlichkeit und stilisierte seinen Unmut über FIFA zum Markenzeichen. In eigenen Streams, aber auch auf der Bühne bei offiziellen Events, war der 24-Jährige nie um markige Worte verlegen und wurde dafür von einem großen Teil der Community gefeiert. Endlich sei da mal einer, der den Mund aufmache und öffentlichkeitswirksam auf Missstände hinweise. Ihn könne EA nicht ignorieren, das gefiel vielen frustrierten FIFA-Spielern. Denn zweifelsfrei ist die Fußball-Simulation jedes Jahr aufs Neue mit groben Fehlern belastet, die kompetitives Gaming mitunter schwierig machen.

Fenech wird beleidigend

Zuletzt fiel Fenech aber immer häufiger auch durch obszöne Beleidigungen auf. Gegner, Spiel, Entwickler – jeder bekam sein Fett weg. Seine Fans feierten ihn dafür und 'Kurt0411' machte animiert durch den Zuspruch immer weiter. Von EA erhielt er 2018 bereits eine zweimonatige Sperre, Einhalt gebot ihm das jedoch nicht. Zunächst kündigte er impulsiv sein Karriereende an, wenig später kam er dann aber mit großem Bohei zurück.

Im März 2019 sprach EA eine "letzte Warnung" aus und Anfang November schließlich den permanenten Ban. Auslöser dafür war aller Wahrscheinlichkeit nach ein Vorfall mit HSV-Profi Niklas 'HSV NHeisen' Heisen, den Fenech in einem Online-Match aufs Übelste beleidigte. Nachdem er den Ausgleich in diesem "Dreckspiel" (Zitat 'Kurt0411') geschossen hatte, nahm er einen EA-Schal zur Hand und spuckte mehrfach auf das Logo. Obszöne Gesten und ein "Fuck you, EA" begleiteten diese symbolträchtige Aktion.

Die Bewegung #FreeKurt

In der FIFA-Community vereinen sich die Unterstützer nun unter dem Hashtag #FreeKurt und führen das Argument der Meinungsfreiheit ins Feld. Fenech dürfe ja wohl sagen, dass ihm FIFA nicht gefalle, und nichts anderes tue er – ein Trugschluss, denn Beleidigungen fallen nicht unter die freie Meinungsäußerung. Und mit dem Bann handelt EA korrekt: 'Kurt0411' muss sich den Regeln des Turnierveranstalters unterwerfen und in denen gibt es auch Abschnitte zum Verhalten (Code of Conduct). Befolgt er die Vorschriften nicht und schadet EA sogar, kann der Veranstalter ihn von den Wettbewerben ausschließen.

Es bietet sich der Vergleich mit einem Partygast an, der dauerhaft den Gastgeber beleidigt, randaliert und den anderen Gästen keinerlei Respekt erweist. Einen solchen Gast würde wohl jeder rausschmeißen. Sicherlich darf Fenech seine Meinung über FIFA so oft äußern, wie er will, er darf allerdings keine Gegner als "Hurensohn" beleidigen. EA verbietet 'Kurt0411' dabei nicht den Mund und duldet seine Ausfälle sogar weiterhin. Das ist nur dank der Meinungsfreiheit überhaupt zu erklären.

Permanenter Ban wohl wenig wirkungsvoll

Die permanente Suspendierung bezieht alle offiziellen FIFA-Events mit ein, die Teil der Global Series sind. Preisgelder sind für Fenech damit erst einmal weitestgehend vom Tisch. Stören dürfte ihn das allerdings wenig, laut "eSport Earnings" hat der Malteser in seiner Karriere bereits über 48.000 US-Dollar mit Platzierungen eingenommen.

2019 kam er allerdings nicht mehr weit und gewann nur noch 750 Dollar. Den Löwenanteil seines Einkommens wird Fenech folglich mit seinen Streams und Videos generieren. Und solange seine Community ihm weiterhin die Stange hält, hat er wohl wenig zu befürchten. Bis er dann doch mal an den falschen Gegenspieler oder Veranstalter gerät und Anzeige gegen ihn erstattet wird.