04.10.2019 18:18 Uhr
Kickers in eklatanter Abhängigkeit

Stuttgart und die fehlende Beständigkeit

von Niklas Aßfalg

Pro Club Premiership FIFA 19
Die offensivstarken Stuttgarter Kickers beendeten die Saison 2019 aufgrund einiger Berg- und Talfahrten im Mittelfeld der Tabelle.

Ob Platz sechs in der Premierensaison der NGL Pro Club Premiership für die Kickers nun eher einen Erfolg oder einen Misserfolg darstellt, ist stark vom Blickwinkel des Betrachters abhängig. Die Schwaben wussten phasenweise mit ansehnlichem Kombinationsfußball zu überzeugen, sie stellten die viertbeste Offensive der Liga. Die Süddeutschen präsentierten vielversprechende fußballerische Anlagen, der Blick in die Zukunft darf durchaus optimistisch ausfallen. Einige auffällige Problemzonen verhinderten allerdings auch eine bessere Platzierung, die definitiv im Bereich des Möglichen lag. Schwierigkeiten bereiteten dem SV in erster Linie die Abhängigkeit von ihrem Top-Torjäger und die fehlende Konstanz.

Stuttgart startete erfolgreich in die Spielzeit, durch vier Punkte gegen den KSV Baunatal (2:2) und den SC Edermünde (4:2) avancierten die Kickers zügig zum heißen Anwärter auf die obere Tabellenhälfte. Doch auf den verheißungsvollen Auftakt folgte eine Dürreperiode mit einer Niederlage gegen den SV Babelsberg 03 (2:3) sowie Unentschieden gegen den FC Galaxy Steinfurt (1:1) und den FSV Union Fürstenwalde (2:2) – der Mangel an Beständigkeit sollte zum prägenden Muster der Stuttgarter Saison werden. Stets dann, wenn sich die Schwaben anschickten, einen Angriff auf die Spitzenränge zu fahren, wurden die Ambitionen umgehend gedämpft. Stattdessen blieb das Gefühl einer Menge verschenkten Potenzials zurück.

Das Schema einer Saison

Auf Regen folgte aber auch fast immer Sonne: Am sechsten und siebten Spieltag zeigten die Stuttgarter wieder ihr anderes Gesicht – entschlossener Angriffsfußball, überzeugende Durchschlagskraft. Der Habenhauser FV (8:3) und Rot-Weiss Essen (5:1) bekamen die Sturm-und-Drang-Phase am eigenen Leib zu spüren. Anschließend wechselten sich Pleite (0:1 gegen den SV Meppen) und Erfolg (3:0 gegen den Berliner AK 07) wieder ab, ehe zum Ende der Hinserie die Doppelnull gegen die beiden österreichischen Teams stand. Auch die Rückrunde brachte zunächst keine Besserung, der Auftakt ging mit 0:2 gegen Baunatal verloren. Der große Aufschwung hatte sich erledigt, der Kampf ums vordere Mittelfeld hingegen erst begonnen.

Die kommenden Wochen verliefen nach dem altbekannten Schema: Sieg gegen Edermünde (3:0), Niederlage gegen Babelsberg (0:2), Sieg gegen Steinfurt (2:1) – die Kickers verpassten es aufgrund der ständigen Berg- und Talfahrten, sich Luft gegenüber der Konkurrenz zu verschaffen. Trotz des Punktverlusts gegen Fürstenwalde (3:3) läutete diese Partie die beste Phase der Spielzeit ein, wie bereits in der ersten Saisonhälfte holten die Süddeutschen sechs Punkte aus den Partien gegen Habenhausen (5:0) und Essen (2:1). Generell sind die Parallelen zwischen Hin- und Rückserie kurios: Gegen Meppen (0:3) und Wien (0:2) zogen die Schwaben zum zweiten Mal den Kürzeren, der BAK (2:1) wurde dagegen erneut bezwungen.

'SVK_Zidane_10' als Alleinunterhalter

Insgesamt holte der SV gegen acht der elf Kontrahenten zweimal dieselbe Ausbeute. Anders geschah es allerdings am letzten Spieltag gegen den Grazer SC Straßenbahn. Hatten die Kickers in der Hinrunde noch mit 1:2 unterlegen, erreichten sie in der Zweitauflage immerhin ein 1:1 – und mussten sich dennoch grämen. Mit nur einem Treffer mehr hätten sie sich nämlich statt Rang sechs den vierten Platz sichern können, Essen (3:3 gegen Baunatal) und Fürstenwalde (0:0 gegen Babelsberg) verpassten gleichermaßen den Abschlusserfolg. Jubeln durfte schließlich nur RWE, das Ruhrpott-Team schwang sich als Vierter zum "Best of the Rest" auf. Dem SV fehlte dazu die eine oder andere Serie, zwei Siege in Folge waren das Maximum.

Es hätten wohl auch drei oder vier werden können (das betrifft gleichsam die Platzierung in der Tabelle), wenn da nicht die Abhängigkeit von 'SVK_Zidane_10' gewesen wäre. Der Angreifer krönte sich mit 21 Toren und 19 Assists zum Top-Scorer der abgelaufenen Saison. 40 direkte Torbeteiligungen entsprechen einem Anteil von unglaublichen 87 Prozent der Stuttgarter Gesamtausbeute (46 Treffer). Bei nur sechs Toren agierte 'SVK_Zidane_10' nicht als Lieferant oder Endverwerter. Ein alles überragender Akteur ist allerdings oft Fluch und Segen zugleich, im Falle der Kickers hätten ein paar mehr Köche den Brei wohl kaum verdorben – eine Lehre, die die Schwaben womöglich für die kommende Spielzeit ziehen konnten.