09.10.2019 15:32 Uhr
Sieglosserie verbaut den Anschluss

Graz geht in der Rückrunde die Puste aus

von Niklas Aßfalg

Pro Club Premiership FIFA 19
Der Grazer SC Straßenbahn konnte in der Premiership nur eine Saisonhälfte lang überzeugen und verpasste das Mittelfeld.

Als zweitem österreichischen Verein neben dem Favoriten FK Austria Wien fiel dem Grazer SC Straßenbahn naturgemäß ein Platz im Schatten zu. Ebenjene Ausgangslage wollten die Mannen aus der Steiermark allerdings nutzen, um in der NGL Premiership für Furore zu sorgen – angesichts der starken Konkurrenz ein ambitioniertes Vorhaben. Und während der GSC in der Hinrunde noch oftmals abzuliefern wusste, schienen nach der Transferperiode die Weichen falsch gestellt. Straßenbahn verlor dank einer acht Partien währenden Sieglosserie nicht nur den Anschluss an die Spitzenränge, sondern geriet auch im Kampf um das obere Mittelfeld ins Hintertreffen – Tabellenplatz acht muss daher als Enttäuschung gewertet werden.

Die Grazer erwischten einen Saisonstart nach Maß und lieferten beim 4:1 gegen den Berliner AK 07 einen großen Fingerzeig. Nach dem ersten Hochgefühl ließ aber auch die erste Krise nicht lange auf sich warten, in den kommenden Partien fand der GSC nicht zu seinem Rhythmus. 0:3 gegen Wien, 0:4 gegen den SV Meppen, 2:4 gegen den KSV Baunatal – der Negativtrend machte nicht nur den starken Auftakt vergessen, sondern mäßigte auch die Erwartungen. Es sollte das letzte Formtief der Hinserie gewesen sein, das Team von der Mur berappelte sich. Mit drei Siegen in Folge, darunter der Überraschungserfolg gegen den SV Babelsberg 03 (3:1), meldete sich Straßenbahn wieder in den gehobeneren Gefilden des Tableaus an.

Das Mittelfeld rückt in weite Ferne

Auch Rückschläge schienen die Österreicher nicht mehr nachhaltig zu verunsichern, auf die Niederlagen gegen den FSV Union Fürstenwalde (1:3) und Rot-Weiss Essen (0:2) folgten jeweils Dreier gegen den Habenhauser FV (4:1) und den SV Stuttgarter Kickers (2:1). Insbesondere letztere Begegnung galt zum Abschluss der ersten Saisonhälfte als das Duell der ambitionierten Mittelfeldvereine, Graz schien dank des Siegs auf dem Vormarsch. In Wirklichkeit stellte der Übergang von Hin- in Rückrunde aber den entscheidenden Bruch in der Spielzeit des Sportclubs dar. Waren das wilde 3:3 gegen den BAK und die eingeplante 1:3-Pleite gegen Austria noch zu verschmerzen, kamen mit jedem weiteren Punktverlust auch größere Zweifel auf. 

Straßenbahn schien das Siegen verlernt zu haben: Gegen Meppen reichte es nur zu einem 1:1, den in dieser Phase sehr starken Baunatalern musste Graz sich mit 1:2 geschlagen geben. Doch auch gegen die vermeintlich Kleinen der Liga gab es für den GSC nicht viel zu holen. Im Duell gegen den SC Edermünde kam die Mannschaft aus der Steiermark nicht über ein 1:1 hinaus, dem FC Galaxy Steinfurt unterlag sie gar mit 2:3. Der erste Erfolg der Rückserie ließ bis zum 20. Spieltag auf sich warten, als Aufbaugegner musste Schlusslicht Habenhausen herhalten, das 20 seiner 22 Saisonspiele verlor. Zu diesem Zeitpunkt waren die ehemals auf Augenhöhe scheinenden Stuttgarter, Essener und Meppener tabellarisch längst enteilt. 

Dem Rubin fehlt der rechte Schliff

Nicht mal ein versöhnlicher Ausklang aus der Spielzeit gelang den Grazern, nach der Niederlage gegen RW Essen (0:2) schlossen sie mit einem 1:1 gegen die Kickers ab. Sieben Zähler fehlten dem GSC schlussendlich zum SV Meppen, nur zwei respektive drei Punkte trennten dem Sportclub noch von den lange abgeschlagen scheinenden Steinfurtern und Edermündern. Es drängte sich der Eindruck auf, Straßenbahn wäre noch weiter in den Keller gerutscht, hätte die Saison nur ein paar Spieltage mehr auf Lager gehabt. Dementsprechend kommt die Herbstpause wohl gerade recht für die Österreicher, die in der Rückrunde ordentlich Lehrgeld zahlen mussten. Zur kommenden Saison ist daher auch personell mit Änderungen zu rechnen.

Der neue Spielertrainer Slađan 'Anparatu' Marinovic soll für frischen Wind sorgen, er sieht im GSC "einen Rubin, der richtig geschliffen werden muss" – was auch immer Marinovic darunter versteht. Auf ein paar bekannte Gesichter wird er aber setzen können, allen voran Oliver 'olixesh385i' Dombek konnte mit zwölf Saisontreffern überzeugen. An der Seite der weiteren Stützen Daniel 'Twitch_Aunzarer' Löscher, Kevin 'Redfusion91' Blend, Felix 'felice_maturo' Reif und Vereinsmanager David 'ultragsc' Zöhrer wird er auch in Zukunft das Rückgrat der Mannschaft bilden. Bleibt abzuwarten, ob die Leistungsträger Straßenbahn in der Spielzeit 2019/20 längerfristig Stabilität verleihen können – und der Rubin endlich glänzen wird.