01.10.2019 13:51 Uhr
Union verfehlt die Spitzenränge

Das Gefühl des Verlusts

von Niklas Aßfalg

Pro Club Premiership FIFA 19
Der FSV Union Fürstenwalde vergab in der Rückrunde der Premiership die Pole Position im Kampf um den vierten Tabellenrang.

Wie unterschiedlich ähnliche Ergebnisse durch einen Perspektivwechsel betrachtet werden können, lässt sich am Beispiel von Rot-Weiss Essen und dem FSV Union Fürstenwalde feststellen. Lediglich ein Tabellenplatz und drei Tore trennten die beiden Vereine am Saisonende, die Beurteilungen fallen allerdings sehr differenziert aus. Während Essen sich durch einen Aufschwung in der Rückrunde aus der Außenseiterposition den vierten Rang sicherte, fühlt sich Platz fünf für Fürstenwalde nach Verlust an. Die Brandenburger durften sich über weite Strecken der Spielzeit eine Platzierung im oberen Drittel ausrechnen, eine Durststrecke nach der Transferphase offenbarte allerdings die Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit. 

Der Saisonauftakt misslang Union gründlich, dem 1:1 gegen den FC Galaxy Steinfurt am ersten Spieltag folgte ein 0:2 gegen den SV Meppen – die Domstädter holten nur einen einzigen Punkt gegen zwei Kontrahenten, mit denen sie sich mindestens auf Augenhöhe wähnten. In der Folge legte der FSV allerdings eine beeindruckende Serie hin, zehn Punkte aus den nächsten vier Partien beförderten Fürstenwalde auf die sonnige Seite des Tableaus. Nach einer verschmerzbaren Niederlage gegen Ligaprimus FK Austria Wien (1:2) legten die Brandenburger drei weitere Erfolge nach. Der 3:1-Sieg am neunten Spieltag gegen den direkten Konkurrenten KSV Baunatal verhalf ihnen sogar auf den dritten Platz, die Spitze rückte in greifbare Nähe. 

Sieglosserie nach der Transferphase

Dass der Erfolg über die Nordhessen zum Höhepunkt der Spielzeit geraten würde, war damals noch nicht zu erahnen. Wie so oft erfolgte nach dem Höhenflug der freie Fall, der FSV musste diese Lektion bereits zum Finale der Hinserie lernen: Die 0:6-Klatsche gegen den SV Babelsberg 03 bedeutete das vorzeitige Ende aller Ambitionen auf den zweiten Platz – und läutete eine Negativserie ein. Es sollte bis zum 17. Spieltag dauern, ehe Fürstenwalde wieder als Sieger vom Platz ging. Niederlagen gegen den FC Galaxy Steinfurt (1:2), den SV Meppen (0:2) und RW Essen (2:4) sowie Unentschieden gegen Schlusslicht Habenhauser FV (0:0) und den SV Stuttgarter Kickers (3:3) warfen Union tabellarisch aus der Spitzengruppe ins Mittelfeld zurück.

Das 1:0 gegen den Berliner AK 07 brach zwar den Rückrundenbann, das 0:5 gegen Wien sorgte allerdings für postwendende Ernüchterung. Da sich der Kampf um Platz vier im weiteren Verlauf der zweiten Saisonhälfte eher als Schneckenrennen herausstellte, brachten die Dreier gegen den Grazer SC Straßenbahn (2:0) und den KSV Baunatal (4:2) die Brandenburger wieder in eine aussichtsreiche Position. Einmal mehr konnten die Domstädter den erarbeiteten Vorteil allerdings nicht nutzen, Punktverluste gegen den SC Edermünde (1:1) und die Babelsberger (0:0) besiegelten ihr Schicksal als Abschlussfünfter. Das obere Mittelfeld kann durchaus als Erfolg gewertet werden, am Ende aber bleibt die Vermutung, dass mehr drin gewesen wäre.

Zu wenige tragende Schultern im Sturm

Die entscheidende Schwäche der Fürstenwalder wird bei einem Blick auf das Torverhältnis offenkundig: Der FSV erzielte zwölf Treffer weniger als die Kickers und kassierte sechs Gegentore mehr als Meppen. Beide Teams landeten in der Tabelle schließlich hinter Union, zu einer besseren Platzierung reichten sowohl die defensiven als auch die offensiven Leistungen nicht aus. Dabei wussten gerade die Verteidiger in der individuellen Betrachtung zu überzeugen, Manuel 'Kemter1306' Kemter schaffte sogar den Sprung in die Elf der Saison. Vanessa 'QUEEN_VANESSA_95' Schäffhauer und Vereinsmanager Timo 'Hoeffi_5x' Höftmann wurden des Öfteren als Spieler des Spiels ausgezeichnet. Das starke Trio bildete das Rückgrat der Abwehrarbeit. 

In der Spielfeldmitte bestimmte die Doppelsechs aus Gian Luca 'BoyZNoizE12' Mannweiler und Hannes 'CT_Gerth7' Gerth in Zusammenarbeit mit Spielmacher Oguz 'aytan10' Aytan das Geschehen. Die beiden Stürmer Benjamin 'Benters77' Oldenburg (zwölf Treffer) und Patrick 'PaddyW1984' Wruck (zehn Treffer), der den Verein im September verließ, zeichneten sich für knapp 65 Prozent der 34 Fürstenwalder Saisontore verantwortlich. Mit einer ausgewogeneren Verteilung der offensiven Verantwortung auf ein paar mehr Schultern könnten die Brandenburger in der kommenden Saison einen neuen Angriff auf die Spitzenränge der NGL Pro Club Premiership starten – und den Höhepunkt womöglich etwas weiter hinauszögern.