05.09.2019 14:00 Uhr
"Kein Potenzial nach oben"

'Fehrminator' verlässt Baunatal zum Saisonende

von Niklas Aßfalg

Pro Club Premiership FIFA 19
Der KSV Baunatal verliert seinen Abteilungsleiter an die Konkurrenz – und steht vor einem Neuaufbau des Premiership-Teams.

Die eSport-Abteilung des KSV Baunatal wird seit knapp einem Jahr zwangsläufig auch mit dem Namen Daniel 'Fehrminator' Fehr verbunden. Als Abteilungsleiter und Leistungsträger bestimmte der Defensiv-Allrounder die Geschicke der Nordhessen auf wie neben dem virtuellen Rasen und führte sie nicht nur in die NGL Pro Club Premiership, sondern auch in die tabellarische Spitzengruppe. Der dritte Rang direkt hinter den Branchengrößen FK Austria Wien und SV Babelsberg 03 spricht eine eindeutige Sprache. Sechs Punkte trennen den KSV vom Rest der Liga, Platz zwei ist mittlerweile allerdings auch fast außer Reichweite. Die jüngere Baunataler Vergangenheit ist eine Erfolgsgeschichte – die nun einen jähen Bruch erfährt.

Zum Saisonende bricht Fehr seine Zelte an der Fulda ab und kehrt seinem Herzensprojekt den Rücken zu. Im Rahmen des DFB-Pokalspiels des Oberligisten gegen den VfL Bochum sollte auch ein Duell der beiden eSport-Teams auf der Tagesordnung stehen. Die Übertragung der Partie war im Parkstadion Baunatal auf einer großen Leinwand angedacht – ein Coup, den Fehr im Vorfeld akribisch plante. Das Vorhaben stieß demnach jedoch nicht überall auf Begeisterung, im Kompetenzgerangel wurde der eSportler von einem Veranstaltungsleiter laut eigener Aussage entschieden in die Schranken gewiesen. "Beleidigend" soll eine E-Mail gar gewesen sein, Fehr bemängelte dahingehend den fehlenden Respekt gegenüber seiner Arbeit.

Timo Gerhold, Vorstandsvorsitzender des KSV, erklärte auf Nachfrage unserer Redaktion, dass es erst "wenige Tage vor der Begegnung" zu einer "Erstinformation über das Vorhaben per E-Mail" kam. Die kurzfristige Kontaktaufnahme und die zu bewältigenden Herausforderungen in der Spieltagsorganisation des DFB-Pokalspiels ließen demnach keine Kapazitäten für weitere Aufgaben zu. "Zudem hätten die strengen Regularien des DFB die Realisierung eine eSport-Matches ohnehin extrem erschwert", erklärte Gerhold und fügte abschließend an: "Wir würden es sehr bedauern, wenn Herr Fehr aufgrund dieses Kommunikationsproblems sein Engagement beim KSV Baunatal im Nachhinein infrage stellen würde."

Fehr heuert bei VP-Gaming an


Mindestens 20 ehrenamtliche Stunden investiert 'Fehrminator' wöchentlich in die sportliche Weiterentwicklung und die Organisation. Anhand dieser negativen Erfahrung mag er in Baunatal allerdings "kein Potenzial nach oben mehr" erkennen. Seine Energie verlagert der Defensivakteur daher in Zukunft zu VP-Gaming – und damit zu einem kommenden Konkurrenten des KSV. Das Kasseler eSport-Team, das bislang hauptsächlich durch seine Teilnahme an Rennspiel-Wettbewerben aufgefallen war, soll für die nächste Saison in Kooperation mit einem noch nicht offiziell bestätigten Fußballverein eine Premiership-Mannschaft stellen. Fehr wird bei VP-Gaming zum 21. September die Projektleitung FIFA übernehmen. 

Der KSV dagegen wird nicht nur seinen Anführer verlieren, sondern beinahe den kompletten Kader. 17 von 19 Spielern schließen sich ihrem Vereinsmanager an und wechseln ebenfalls den Arbeitgeber. "Mit unseren Visionen und Möglichkeiten geht in Zukunft einiges", prognostizierte Fehr für seinen neuen Lebensabschnitt. In Baunatal wird der Scheidende die Suche nach seinem Nachfolger unterstützen, um den Nordhessen den Verbleib in der Premiership zu ermöglichen und seine alte Liebe in fähige Hände zu übergeben. Lassen sich Fehrs Pläne umsetzen, dürfen sich die Zuschauer und er selbst in der kommenden Spielzeit wohl auf das emotionsgeladene Aufeinandertreffen zwischen Vergangenheit und Gegenwart freuen.