25.09.2019 13:10 Uhr
KSV MIT GELUNGENER DEBÜTSAISON

Zwischen der Spitze und dem Rest

von Niklas Aßfalg

Pro Club Premiership FIFA 19
Der KSV Baunatal sicherte sich in der vergangenen Saison einen souveränen dritten Platz, nach ganz oben fehlten einige Prozent.

Zum Ausklang der ersten Premiership-Saison hielt der Spielplan noch mal einen Leckerbissen parat: Der KSV Baunatal und Rot-Weiss Essen lieferten sich ein intensives, temporeiches Duell mit zweifachem Comeback der Nordhessen (3:3) – der Abschlussdritte traf auf den Vierten. Tabellarisch war die Begegnung allerdings nur noch für die Essener von Bedeutung, der KSV befand sich längst im Niemandsland zwischen der Spitze und dem breiten Mittelfeld. Neun Zähler betrug schlussendlich der Rückstand auf den SV Babelsberg 03, acht Punkte Vorsprung hatte Baunatal auf RWE. Zum Angriff auf die Vize-Meisterschaft fehlten letztlich einige Körner, den Rest der Liga stellten die Mannen von der Fulda aber gekonnt in den Schatten.

Zum Auftakt der Spielzeit bekamen die Baunataler beim 2:2 gegen den SV Stuttgarter Kickers ihre Grenzen aufgezeigt, eine Woche später gelang beim 1:0 gegen den Berliner AK 07 der erste Dreier. Dass der KSV mit dem Meisterkampf nichts zu tun haben würde, wurde im Topspiel gegen den FK Austria Wien offenkundig. Gegen die Österreicher sahen die Nordhessen kaum Land, das 0:3 dämpfte die Erwartungen. Einen ähnlichen Effekt hatte auch das schmerzhafte 0:6 gegen die Babelsberger am siebten Spieltag. Der Rückschlag erfolgte wohl zum passenden Zeitpunkt, zuvor hatte Baunatal drei souveräne Siege (darunter ein 7:0 gegen den SC Edermünde) gefeiert, Spielern wie Verantwortlichen wurde stets rechtzeitig Bodenhaftung eingeimpft.

Nordhessen setzen sich vor dem Mittelfeld ab

Durch die Baunataler Punktverluste schien das Rennen um den dritten Rang zunächst ein enges zu werden. Seinen vorzeitigen Höhepunkt erlebte dieser Kampf am neunten Spieltag, der KSV traf auf den FSV Union Fürstenwalde. Die Brandenburger setzten sich mit 3:1 durch und überholten die Nordhessen in der Tabelle. Ironischerweise stellte diese Partie einen Wendepunkt in der Spielzeit beider Teams dar – konträr zum Ausgang. Die verbleibenden beiden Spiele der Hinrunde gewann Baunatal jeweils mit vier Toren Abstand, auch die Rückrunde ließ sich mit zwei Siegen gut angehen. Nach der beinahe schon obligatorischen Niederlage gegen Austria (0:1) folgten drei Siege in Serie, der KSV hob sich vom restlichen Feld ab und etablierte sich auf Rang drei.

Die starken Auftritte zu Beginn der zweiten Halbserie ließen Baunatal aber auch in Schlagdistanz zum zweiten Platz und Babelsberg rücken. Vor dem Aufeinandertreffen beider Mannschaften am 18. Spieltag betrug der Rückstand nur noch zwei Punkte, mit einem Sieg im direkten Duell wären die Nordhessen vorbeigezogen. Stattdessen musste der KSV aber die Überlegenheit des Gegners anerkennen, das 0:3 bedeutete die zweite klare Pleite gegen die Nulldreier. In der Folge war Platz zwei wieder in weitere Ferne gerückt, die Moral der Baunataler schien angekratzt. Aus den letzten vier Saisonspielen holten sie lediglich vier Zähler, die Niederlagen gegen Fürstenwalde (2:4) und den FC Galaxy Steinfurt (0:3) sind dem Spannungsabfall zuzuschreiben. 

Die Causa Fehr zieht den Umbruch nach sich

Trotz einiger verpasster Möglichkeiten feierte der KSV Baunatal eine gelungene Debütsaison in der Premiership. Toni 'Knipser' Bergmann schaffte den Sprung in die Elf der Saison; Patrick 'DerHeerdi' Heerd, Dennis 'Dennis10598' Güvener und Sven 'X_H_ard_weLL_X' Froese verpassten die Nominierung nur haarscharf. Die Offensive wusste zu überzeugen, 48 Treffer erzielten die Baunataler in 22 Partien. Mit Bergmann (zehn Tore), Froese (elf Tore) und Luke 'lukexkiki' Kimm (elf Tore) trafen gleich drei Akteure zweistellig. Die Hintermannschaft hingegen agierte ausbaufähig und wurde zur Problemzone in einem starken Kollektiv: Die Nordhessen kassierten 36 Gegentore (1,64 im Schnitt pro Partie), sechs Mannschaften stellten stabilere Defensiven.

Zum personellen Hauptaugenmerk können die Nordhessen die Abwehr für die Herbstpause allerdings nicht erklären. Mit dem Abgang von Vereinsmanager Daniel 'Fehrminator' Fehr (wegen Differenzen über die Verteilung der Kompetenzen) wird der KSV auch den Großteil seines Kaders einbüßen. Viele alte Weggefährten werden sich Fehr anschließen und ihre Zelte in Baunatal abbrechen, der Verein steht vor dem kompletten Umbruch. Obgleich der Mittelfeldspieler und ehemalige Abteilungsleiter seinem Ex-Verein Hilfe beim Wiederaufbau zusicherte, bleibt die sportliche Zukunft der Baunataler fraglich. Eine weitestgehend neu zusammengestellte Mannschaft dürfte Schwierigkeiten haben, das hohe Niveau der vergangenen Saison zu halten.