21.07.2020 17:13 Uhr
Die Welt der Coder

Overwatch: Einblicke in die Arbeit an der Engine

von Marco Wutz

Overwatch Nintendo Switch
Foto: Blizzard Entertainment
Blizzard hat einen Artikel veröffentlicht, der Einblick in die Arbeit an der Engine von Overwatch verleiht – und zeigt, was die Programmierer leisten.

Blizzards Overwatch wurde auf einer hauseigenen Engine und mit selbst entwickelten Tools gebaut. Über 2,7 Millionen Zeilen Code hauchen dem Konstrukt virtuelles Leben ein. Das für die Engine verantwortliche Team legt die Grundsteine, mit denen andere Gruppen schließlich das erschaffen, was die Spieler auf ihren Bildschirmen sehen, steuern und erfahren.

Die heutzutage für Overwatch verwendete Code-Basis wurde einstmals für das MMO mit dem Namen "Project Titan" entwickelt, das niemals das Licht der Welt erblickt hat und um das sich wilde Gerüchte rankten – die Leute erwarteten Großes von den Machern von World of WarCraft. Auch Phil Teschner, Lead Software Engineer für die Overwatch-Engine, heuerte 2012 ursprünglich bei Blizzard an, um an "Project Titan" zu arbeiten.

Spieldesign mit Baublöcken

Das Engine-Team entwickelt, was sie selbst Baublöcke nennen. Dabei handelt es sich um die technische Infrastruktur, die die vielen verschiedenen Systeme des Spiels – von Grafikeffekten über die Spielphysik bis hin zum Sound – für andere Abteilungen so leicht wie möglich bearbeitbar machen. Zugleich sorgt sie dafür, dass die unterschiedlichen Versionen von Overwatch auf PC und den Konsolen technisch einwandfrei laufen, die Datensätze nicht zu groß werden und vieles mehr.

Die Ingenieure sind bei allen neuen Inhalten, die letztlich bei den Spielern landen, von Beginn an dabei: Wird für einen Skin etwa ein neues Bewegungsmuster für Klamotten benötigt, wird das Engine-Team mit an Bord geholt, um dies möglich zu machen. Das Engine-Team bearbeitet den jeweiligen Block, um den Spielraum der Künstler zu vergrößern, ohne zugleich das Spiel von Grund auf neu programmieren zu müssen. So erweitern die Ingenieure nach und nach die Möglichkeiten.

Foto: Blizzard Entertainment

Das Tools-Team und TED

Damit Künstler, Map-Designer und Balance-Experten diese Baublöcke auch tatsächlich verwenden und mit ihnen herumprobieren können, benötigen sie ein grafisches Interface. Für Overwatch ist dies "TED", der Spiel-Editor, um den sich das Tools-Team kümmert. Angeführt von Rowan Hamilton, ebenfalls ein "Project Titan"-Veteran, arbeitet es stetig daran, den Editor leistungsfähiger und zugänglicher zu machen, um den übrigen Entwicklern mehr Gestaltungsraum zu verschaffen.

In "TED" haben die Designer Zugriff auf die über drei Millionen Objekte, die mittlerweile in Overwatch stecken, und können ihrer Kreativität freien Lauf lassen. Der Editor ist so leistungsstark und flexibel, dass er auch für die derzeit laufende Entwicklung von Overwatch 2 eingesetzt wird. Alle Entwickler arbeiten eng zusammen, damit an keinem Ende Fehler ins Spiel kommen und neue Ideen auch realistisch umgesetzt werden können. Der Erfolg ihres Spiels stützt diese Arbeitsweise.