29.08.2019 13:45 Uhr
Wenn auch der letzte Baum fällt

Comunio Timbers verkünden ihre Auflösung

von Niklas Aßfalg

Pro Club Series Pro Club FIFA 19
Foto: Comunio Timbers
Foto: Comunio Timbers
Die Comunio Timbers werden in Zukunft kein professionelles Pro Club-Team mehr stellen und verabschieden sich in Würde.

Vier Jahre können prägen. Vier Jahre können eine komplette Pubertät abdecken, vier Jahre können eine Liebesgeschichte beschreiben. Oder eben auch die Anfänge, den Aufstieg, die Tiefpunkte und das Ende eines Traditionsvereins umrahmen. "Wir hatten nie die besten Spieler, aber wir haben immer als Team funktioniert", erinnert sich Timbers-Gründer Sven 'Tiwas' Hack. Das Kollektiv als große Stärke – Comunio hatte früh verstanden, was die Essenz des FIFA-Modus Pro Clubs ausmacht. "Ohne das Wir konnte es keinen Erfolg geben, aber ohne Erfolg hatten wir immer noch uns", verlauteten die Timbers in ihrem Abschlussstatement. Der Zusammenhalt wurde zum Credo der Mannschaft – das Miteinander als Prämisse der Vereinsgeschichte.

Doch wie jede gute Geschichte brachte auch die der "Holzfäller" ihre Rückschläge mit sich. Die Ouvertüre gestaltete sich leicht und unbeschwert: "Elf Freunde" (vielleicht ein paar mehr) fanden sich zusammen und drangen in die Beletage des deutschen Pro Clubs vor. Der Aufstieg in Liga 1 der NGL Series im Jahre 2018 war der Startschuss zur steigenden Bekanntheit, es hätte aber auch bereits der Zenit werden können. Stattdessen erspielte sich Comunio in seiner Premierensaison in der Eliteklasse einen starken sechsten Platz, verbunden mit der Qualifikation für den internationalen Wettbewerb. Anschließend mussten die Timbers die Kehrseite des Höhenflugs kennenlernen – der Erfolg weckte Begehrlichkeiten.

Vom Umbruch in den Umbruch


Mit den Abgängen von 'DaniwithoutEL' und 'J_BTNG_' verließen auch kombinierte 50 Scorerpunkte den Klub. Dem Ruf der großen Namen folgten so einige Leistungsträger, Comunio stand vor dem ersten großen personellen Umbruch. Mit einer Fokussierung auf die Quantität des Kaders wurde der Versuch unternommen, den erheblichen Aderlass zu kompensieren. In Kombination mit der Doppelbelastung dank der internationalen Auftritte konnten die Timbers das Leistungsniveau allerdings nicht halten – Abstiegskampf statt Angriff auf die Spitze. Die ausbleibenden Erfolgserlebnisse nährten auch die Selbstzweifel: "Das Miteinander litt unter dem Misserfolg", meinte Hack. Dem Umbruch musste ein nächster Umbruch folgen. 

Mit 'wienerxindl' sollte ein neuer starker Mann für mehr Struktur sorgen und den Karren aus dem Dreck ziehen. Der frühere Austria-Akteur wurde als Hacks rechte Hand installiert, er übernahm das operative Geschäft und zunehmend auch die sportliche Verantwortung. Der Kader wurde erneut kernsaniert, die Zahl der Abgänge sowie Zugänge erreichte ungekannte Ausmaße. Nach einer verheerenden Hinrunde der Saison 2019 (die Timbers holten lediglich neun Punkte) fruchteten die Maßnahmen des neuen Vereinsmanagers in der zweiten Saisonhälfte zumindest sportlich. Die Timbers stellten das viertbeste Team der Rückrundentabelle und beendeten die Spielzeit auf einem versöhnlichen neunten Rang. 

"Keine Kraft für den zwölften Neuanfang"


Trotz des tabellarischen Aufschwungs kippte die Stimmung hinter den Kulissen. Die Art und Weise, auf die 'wienerxindl' Comunio auf Vordermann bringen wollte, war mit der Ursprungsidee des Vereins und der Mentalität der eingeschworenen Truppe nicht kompatibel. Die letzten Veteranen spielten immer öfter mit Abschiedsgedanken, für Hack waren es "nicht mehr meine Timbers". Der erste Vereinsmanager zog die entsprechenden Schlüsse und bot seiner Nummer zwei die Übernahme des Klubs an. Doch auch 'wienerxindl' konnte sich eine Zukunft ohne Hack, den Gründer und Urfels der Timbers, nicht vorstellen und lehnte ab. In Verständigung mit langjährigen Weggefährten fiel letztlich die Entscheidung, das Herzensprojekt zu beenden.

"Wir hatten nicht die Kraft für den zwölften Neuanfang", erklärte Hack, dem Schicksal als Dauerabstiegskandidat sollte entgangen werden. Und so ist die Reise der Comunio Timbers an ihrem Ende angelangt, die Geschichte ist auserzählt. Ob sie nun ein Happy End erhalten hat, ist wohl Ansichtssache. Beim Abschiedsturnier mit hartnäckigen Gegnern aus der Vergangenheit wie den Royal Aces oder Elite Bomber belegten die Timbers "nur" den dritten Rang. Doch wer die Worte von Marcel 'ZimaTV' Wrobel unter dem finalen Facebook-Statement gelesen hat, weiß, dass Comunio noch eine Weile in den Köpfen der Fans nachhallen wird: "Auch wenn ihr die Axt nun niederlegt, wird sie doch niemals stumpf sein." Dem ist nichts hinzuzufügen.