08.07.2019 16:58 Uhr
Konamis verheerende Bilanz

"Brasilianische Affen" – Vorfälle der PES WM eskalieren weiter

von Holm Kräusche

Specials PES 2019
Der Vizeweltmeister 'Ettorito' lässt die Tumulte vom Finale weiter eskalieren.  © Konami
Der Vizeweltmeister 'Ettorito' lässt die Tumulte vom Finale weiter eskalieren. © Konami
Die PES League kommt nicht zur Ruhe. Nach den seltsamen Vorfällen um Teamweltmeister eLigaSul Stars und die Tumulte beim Einzelfinale verschärft sich das Drama weiter.

Es fallen Worte wie "Affen", Rassismusvorwürfe werden laut und Konami sagt: So sind sie eben, die Südamerikaner. Was ist da los?

Alle Parteien teilen kräftig aus. Den Anfang machte Vizeweltmeister 'Ettorito', wie auch schon im Turnier. Im Finale hatte er sein erstes Tor in obszöner Weise gefeiert, sprang von der Bühne und zeigte sogar den Mittelfinger in Richtung der brasilianischen Fans seines Gegners. Der Gefühlsausbruch kam freilich nicht von ungefähr, zuvor hatten die ihn lauthals mit Gesängen verhöhnt. Teil dieser Fanriege war auch der Koop-Weltmeister, der im Turnier mit Unsportlichkeiten gegen 'Ettoritos' Mannschaft aufgefallen war.

Schweine und Affen

Nach dem ersten Tor von 'Usmakabyle' feierten die Brasilianer obszön vor der Bühne.

Vizeweltmeister 'Ettorito' schrieb nach dem Spiel auf Facebook: "Das PES-Personal hat das alles durchgehen lassen, statt diese brasilianischen Schweine hinauszuwerfen. Ich bin zornig. Ich bin Vize-Weltmeister, aber meiner Meinung nach habe ich den Titel verdient."
Der Vater des ehemaligen Weltmeisters, in der Vergangenheit und beim Turnier selbst sehr emotional auftretend, konnte ebenso nicht an sich halten und schrieb "Leicht zu gewinnen, wenn 50 brasilianische Affen Flüche gegen 'Ettorito' schreien."

"Bezüglich der brasilianischen oder südamerikanischen Spieler: Bei denen ist es halt leider so." Lennart Bobzien, European PES Brand Manager.

Diese beiden Aussagen nötigten brasilianische Medien dazu, von Rassismus bei der WM zu schreiben. Das dürfte Konami sicher nicht gern sehen, als Ergebnis dieses Turniers. Koop-Weltmeister 'Guifera' teilte jenen Artikel auf Twitter und 'Ettorito' stellte klar, er habe nichts gegen das brasilianische Volk, sondern nur diejenigen, die ihn dauerhaft beleidigt hätten.

Weltmeister billigt Vorgänge

Einzig der oftmals auch ausrastende 'Usmakabyle', Gewinner des Turniers, bewahrte auf und neben der Bühne die Ruhe. Man hätte sich gewünscht, dass er mehr tut, um seine Fans zu beruhigen, immerhin mahnte er aber durch Gesten zur Mäßigung.
Er habe konzentriert bleiben wollen schrieb er und: "Die Brasilianer haben es meiner Meinung nach übertrieben." 'Ettorito' und er hätten auf der Bühne keine Probleme miteinander gehabt. Das Match sei fair gelaufen.

Später bedankte er sich allerdings bei den brasilianischen Fans: "Vor allem ein großes Dankeschön an die Brasilianer für die Kraft vor, während und nach dem Spiel. Ich werde Eure Unterstützung nie vergessen." 'Usmakabyle' ist selbst kein unbeschriebenes Blatt, in Porto irritierte er Alex Alguacil nach ihrem Match mit einem Brüllanfall und wurde 2017 wegen Cheating von Konami gesperrt.

Führender Spieler entsetzt

'Usmakabyle' mahnt seine Fans im Finale nach jedem Tor zur Ruhe.

Die Brasilianer sahen sich ebenso dem Vorwurf der Schiebung ausgesetzt, auch dort war 'Ettorito' bereits der Leidtragende, denn seine Mannschaft Broken Silence flog wegen eines lethargischen 0:0 der eLigaSul Stars gegen das japanische Team Beginners aus dem Turnier.

Alex Alguacil, ebenfalls Teil von Broken Silence, war bei den Tumulten vor der Bühne mittendrin und versuchte, die gut acht Brasilianer zu beruhigen. Auch er äußerte sich: "Ich bin traurig. Es war nicht an den Brasilianern, die Essenz des Finales zu zerstören, wegen einer Rivalität mit 'Ettorito'. Es war ein peinliches Spektakel und ich glaube, die PES-Community hat Besseres verdient."

Konami will Bühne neu planen

PES European Brand Manager Lennart Bobzien zu den Vorfällen.

Und Konami? Gegenüber der brasilianischen Presse sagte der Spielehersteller und Veranstalter, man sehe sich die Vorwürfe an und werde sich später dazu äußern. Wir fragten noch einmal konkret bei Lennart Bobzien, dem European PES Brand Manager nach und die Antwort überraschte:

"Intern diskutieren wir alles, auch welche Schritte wir einleiten müssen. Bezüglich der brasilianischen oder südamerikanischen Spieler: Bei denen ist es halt leider so." Er sei vergangenes Jahr selbst in Südamerika gewesen, und da sei solches Verhalten ganz normal. Auch 'Ettoritos' Einlassungen hätten dem Ganzen unnötig Zunder gegeben.

Also kein Grund zur Sorge oder zur Veränderung? "Auf der anderen Seite ist es definitiv etwas, über das man nachdenken muss. Das ist jetzt das erste Mal, dass so etwas auf europäischer Ebene passiert, und definitiv muss man in der Zukunft solche Fälle berücksichtigen."

Maßnahmen würden schon beim Bühnenaufbau anfangen, sagte er weiter. Spieler sollten weiter von den Zuschauern entfernt sitzen, um sich konzentrieren zu können. Auch den Ausschluss einzelner Profis bringt Bobzien ins Spiel, bei EA längst Gang und gäbe.
Aber: "Das wäre, finde ich, der falsche Weg. Du musst einfach versuchen, sowohl für Zuschauer, als auch für Spieler eine bestmögliche Lösung zu finden und das ist, was wir jetzt gerade machen."

Konamis Bilanz sollte verheerend ausfallen

Mit dieser Geste in Richtung Brasilianer provozierte 'Ettorito' nach seinem 1:0.

Ob Bühnenbau und Tolerierung von Mentalität allerdings die richtige Antwort auf außer Kontrolle geratene Weltmeister des eigenen Spiels sind, darf an dieser Stelle stark bezweifelt werden. Die Bilanz für Konami sollte verheerend sein: Der Einzelweltmeister ist ein vormals durch den Spielehersteller gesperrter immer wieder ausrastender Profi und die Teamweltmeister sorgen für Tumulte vor der Bühne, fallen mit Unsportlichkeiten und Absprachen auf. Außerdem zeigt einer der größten Stars der vergangenen Jahre den Mittelfinger und bezeichnet andere als "Schweine" und sein Betreuer sie sogar als "Affen".

Konami veranstaltet tolle sportliche Wettkämpfe, entwickelt ein gutes Sportspiel und will mit PES 20 noch stärker auf den eSport setzen. Das ist hervorragend. Die Hinnahme der Eskapaden der wichtigsten Akteure ist es allerdings nicht.